Die Anzahl der in Deutschland geschlossenen Ehen steigt nach einer längeren Talfahrt wieder. Stabil bleiben hingegen Ehen, in denen die beiden PartnerInnen unterschiedliche Nationalitäten haben: Binationale Ehen stellen inzwischen einen erheblichen Teil aller geschlossenen Ehen dar – in etwa jeder achten geschlossenen Ehe (13%) haben die PartnerInnen unterschiedliche Pässe.

Noch sind nur die vorläufigen Zahlen veröffentlicht, schon jetzt steht aber fest: 2018 haben in Deutschland so viele Eheschließungen stattgefunden wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Nach dem aktuellen Stand wurden im vergangenen Jahr insgesamt etwa 416.600 Ehen geschlossen – 2.2% mehr als im Vorjahr und sogar 12.9% mehr als noch 2007, dem Jahr mit dem bisher geringsten Wert.

Auch wenn die detaillierte Statistik noch nicht vorliegt ist zu erwarten, dass auch 2018 die Zahl der in Deutschland geschlossenen Ehen zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalität einen erheblichen Anteil dieser Gesamtheit darstellt. 2017 wurden mehr als 53.000 solcher binationalen Ehen geschlossen, seit Mitte der 00er Jahre fällt etwa jede achte in Deutschland geschlossene Ehe in diese Kategorie. Dass der Anteil in den Vorjahren zum Teil noch höher lag liegt insbesondere an der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000, die Einbürgerungen und mehrfache Staatsbürgerschaften in Deutschland vereinfachte und den Anteil binationaler Ehen damit senkte.

Dass sich die Internationalität der Familien auch in der nächsten Generation fortsetzt, zeigt die Website des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften, auf der neben Informationen zu Eheschließungen auch Daten des Statistischen Bundesamts zu den Kindern dieser Familien aufbereitet sind. Von insgesamt knapp 785.000 2017 geborenen Kindern haben rund 216.000 entweder selbst, oder ein oder beide Elternteile eine ausländische Staatsangehörigkeit. Damit hat mehr als jedes vierte Kind in Deutschland eine Familie mit einer „internationalen Geschichte“ im engeren Sinne. Und selbst das dürfte nur eine sehr tiefe Schätzung sein, weil insbesondere der interkulturelle Kontext von Familien mit eingebürgerten Eltern durch die Statistik nicht erfasst wird.


Die ursprüngliche Recherche für diesen Beitrag entstand im Rahmen unserer Kooperation mit Polisphere und der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft für die Denk ich an Deutschland-Konferenz 2019 sowie für die Europawahl.

Foto: Slaunger via WikiMedia, CC BY-SA 4.0